Tissue -

  1. Was ist Gewebe?

Ein Gewebe ist ein Verband von gleichartig differenzierten Zellen. Jedes Gewebe hat eine bestimmte Aufgabe und deshalb auf eine bestimmte Art angeordnet.

Es gibt vier verschiedene Gewebearten:

Epithel (Deckgewebe) Bindegewebe (Stützgewebe) Muskelgewebe Nervengewebe

Ein Organ ist aus verschiedenen Gewebearten aufgebaut und als eine Einheit mit bestimmten Aufgaben angeordnet.

Parenchym sind die Zellen die für eine organtypische Arbeit zuständig sind, z.B. Alveolen in der Lunge.

Stroma ist aus Bindegewebe aufgebaut und liegt um das Parenchym herum. Im Stroma verlaufen Nerven und Blutgefäße. Stroma gibt den Organen ihre Festigkeit und ihren Halt.

Organsysteme sind aus verschiedenen Organen aufgebaut und haben selbständige Aufgaben.

Es gibt 10 Organsysteme:

Bewegungsapparat Verdauungsorgane Atmungsorgane Kreislauforgane Hormondrüsen Geschlechtsorgane Lymphatische Organe Haut Sinnesorgane Nervensystem

3.1 Epithelgewebe Auch als Deckgewebe bekannt. Es bildet die Begrenzung von inneren und äußeren Körperoberflächen. Die innere Körperoberfläche ist die Schleimhaut. Die äußere Körperoberfläche ist die Haut. Es enhält keine Blutgefäße. Es ist ein dichter Zellverband. Es hat keine Zwischenzellflüssigkeit. Es ist durch die Basalmembran von Bindegewebe getrennt. Es wird durch Diffusion ernährt. 3.1.1 Aufgaben des Epithelgewebes Schutz und Abgrenzung Stoffaustausch z.B. Sekretion und Resorption Reizaufnahme z.B. Sehzellen (Stäbchen und Zapfen)

Drüsengewebe besteht aus Epithelgewebe und Epithelgewebe kleidet den gesamten Vardauungstrakt aus.

3.1.2 Formen des Epithelgewebes Plattenepithel Kubisches Epithel Zylinderepithel

Plattenepithel kommt im Blut, in den Lymphgefäßen, in der Brust, im Bauchfell, in der Herzinnenhaut, und in den Lungenbläschen vor.

Kubisches Epithel kommt in den Drüsenausführungsgängen und in den Sammelrohren der Nierenkanälchen vor.

Zylinderepithel kommt im Magen, im Darm und in der Gallenblase vor.

3.1.3 Schichten des Epithelgewebes Einschichtiges Epithelgewebe Mehrschichtiges Epithelgewebe Mehrreihiges Epithelgewebe

Einschichtiges Epithelgewebe besteht aus nur einer Lagen Epithelzellen.

Mehrschichtiges Epithelgewebe besteht aus mehreren Lagen Epithelzellen. Nur die unterste Schicht erreicht die Basalmembran.

Mehrreihiges Epithelgewebe besteht aus Kinozilien und kommt im Atemtrakt vor und heisst respiratorisches Epithel.

3.1.4 Oberflächenbildung

Es gibt zwei Möglichkeiten:

Verhornendes und nicht-verhornendes Epithelgewebe Epithelzellen mit Zytoplasmaausstülpungen

Verhornendes Epithel kommt in der Haut vor. Nicht-verhornendes in der Schleimhaut. Die Haut regeneriert sich ständig. Neue Zellen wandern nach oben und verhornen (auf Grund ihre Entfernung von der Basalmembran und Versorgung). Die Hornschicht schützt den Körper und verhindert Austrocknung. Die alten Zellen werden als Hornschüppchen abgestoßen.

Epithelzellen in der Schleimhaut haben zwei verschiedene Arten:

Kinozilien Mikrovilli

Kinozilien kommen im Atemtrakt und im Eileiter vor. Sie sind beweglich, aktiv und haben Mikrotubuli. Im Atemtrakt schützen sie gegen Schmutz. Sie leiten Sekrete nach außen. Im Eileiter transportieren sie das Ei.

Mikrovilli enthalten Aktinfilamente. Sie kommen an den Schleimhautzellen im Dünndarm vor. Sie sind unbeweglich und dicht an einander gepackt / gereiht. Sie vergrößern die Zelloberfläche im Dünndarm.

3.1.5 Übergangsepithel

Das Urothel kommt im Nierenbecken, im Harnleiter und in der Harnblase vor. Es ist mehrschichtig und seine Eigenschaften sind für Ausdehnung und die unterschiedliche Füllungszuständen angepasst. Kubische und zylinderförmige Zellen sind für diese Aufgabe geeignet.

Übergangsepithel besitzt eine Lage Deckzellen, die die darunter liegenden Zellen gegen konzentrierten Harn schützen. Sie sind durch Eiweißfilamente verdichtet.

3.1.6 Drüsengewebe

Drüsen sind wichtig für die Sekretabgabe. Drüsen produzieren:

Hormone in der Schilddrüse und der Hypophyse Schweiß in/auf der Haut Mundspeichel aus der Ohr-, Unterzungen- und Unterkieferspeicheldrüse Bauchspeichel aus der Pankreas Magensaft aus den Magendrüsen Darmsaft aus den Darmdrüsen Gallenflüssigkeit aus der Leber Schleim aus den Becherzellen in den Atmungs- und Verdauungstrakten

3.1.6.1 Drüsenformen Schlauchförmige / tubulöse Drüsen Beerenförmige / azinöse Drüsen Bläschenförmige / alveoläre Drüsen 3.1.6.2 Drüsen Ausführungsgänge Exokrine Drüsen (mit Ausführungsgang) Endokrine Drüsen (ohne Ausführungsgang)

Exokrine Drüsen sind Schweißdrüsen, Mundspeicheldrüsen, Pankreas und Leber.

Endokrine Drüsen sind Hormondrüsen (direkte Abgabe ins Blut).

3.1.6.3 Beschaffenheit der Drüsenflüssigkeit Seröse Drüsenflüssigkeit (dünnflüssig) Muköse Drüsenflüssigkeit (dickflüssig)

Seröse Drüsen haben eine enge Lichtung. Muköse Drüsen haben eine weite Lichtung.

3.2 Binde- und Stützgewebe ist das häufigste Gewebe im Körper ist ein verbindendes Element (verbindet Gewebe, Organe und Organsysteme zu einem einheitlichen Organismus) dient als eine Gleitschicht / Verschiebeschicht zwischen den Organen es bildet das Stroma (Stützgerüst) innerhalb der Organe es hat eine Stützfunktion für Knorpel und Knochen

Bindegewebe besteht aus Zellen und Zwischenzellsubstanz. Zwischenzellsubstanz besteht aus Grundsubstanz und Fasern.

Es gibt zwei verschiedene Bindegewebezellen: ortsbeständige und nicht-ortsbeständige Zellen. Ortsbeständige Zellen bestehen aus Fibrozyten (eigentliche Bindegewebezellen) und Fibroblasten (Vorstufe der Fibrozyten - Bindegewebsaufbauzellen - es bildet Grundsubstanz und Bindegewebsfasern). Nicht-ortsbeständige Zellen sind Abwehrzellen, z.B. Granulozyten, Histiozyten und Lymphozyten.

Zwischenzellsubstanz besteht aus Fasern und Grundsubstanz. Normalerweise haben die anderen Gewebearten Zwischenzellflüssigkeit statt Zwischenzellsubstanz - aber nicht beim Bindegewebe. Grundsubstanz kann auch gelartig und fest sein. Gelartig in Lymphorganen und fest in Knochen. Die Festigkeit entsteht dank eingelagerter Kalksalze. Fasern kommen in drei Arten vor: Retikulinfasern, kollagene und elastische Fasern.

Retikulinfasern sind biegungselastisch. Sie sind feine Fasern die eine netzartige Struktur bilden. Sie haben eine geringe Zugelastizität (tensile strength). Sie kommen in lymphatischen Organen und im roten Knochenmark vor und umspinnen netzartig die Muskelfasern und Nervenfasern.

Kollagene Fasern sind zugfest, und kommen in Sehnen, Bänder, Knorpel und Knochen vor.

Elastische Fasern sind zugelastisch. Sie springen nach einer Bewegung in ihre Ursprungsform zurück. Sie kommen in den Ohren, den Nasenteilen, dem Lungengewebe, den Kehldeckel und den Arterienwänden vor.

3.2.1 Bindegewebsarten

Es gibts:

Blut Retikuläres Bindegewebe Fettgewebe Lockeres Bindegewebe Straffes Bindegewebe Knorpelgewebe Knochengewebe

Knochen haben Osteozyten und Osteoblasten.

Knorpel haben Chondrozyten und Chondroblasten.

Fettgewebe hat Adipozyten.

Lockeres und straffes Bindegewebe haben Fibrozyten und Fibroblasten.

Retikuläres Bindegewebe hat Retikulumzellen.

3.2.1.1 Blut

Blut besteht aus Zellen, und diese Zellen heissen Blutzellen. Darüberhinaus besteht es aus Zwischenzellsubstanz. Die Blutzellen bestehen aus eine Mischung von roten und weissen Blutkörperchen und Blutplättchen. Die Zwischenzellsubstanz besteht aus Blutplasma. Sie sind für die Erneuerung der Blutzellen im Knochenmark (Stammzellen) zuständig. Deshalb gibt es keine Fasern im Blut. Fibrinogen, ein Bluteiweiss, bilden eine netzartige Struktur wie Fasern. Sie sind nur bei der Blutgerinnung sichtbar. Fibrinogen werden in der Leber hergestellt.

3.2.1.2 Retikuläres Bindegewebe

Es besteht aus Retikulumzellen, Grundsubstanz und Retikulinfasern. Retikulumzellen bilden Bindegewebsfasern und haben wichtige Abwehrfunktionen. Bakterien und Viren werden hier bei phagozytiert (gefressen). Man findet Retikuläres Bindegewebe in lymphatischen Organen, im roten Knochenmark und als feine Stützgewebe in den Blutgefäßen und den Nerven.

3.2.1.3 Fettgewebe

Fett dient als Nahrungsreserve, Wärmeisolation und Schutz/Stütze. Fettgewebe besteht aus Adipozyten und Grundsubstanz.

Man findet Baufett an den Fußsohlen, den Handtellern, am Gesäß, den Nieren und den Augäpfeln. Man findet Speicherfett im Unterhautgewebe, im Bauchraum, im Dickdarm und im Gekröse.

Speicherfett wird vor dem Baufett abgebaut.

3.2.1.4 Lockeres Bindegewebe

Es ist weit verbreitet. Als Stroma ernährt, schützt und stützt es das Parenchym. Es dient als Verschiebeschicht.

3.2.1.5 Straffes Bindegewebe

Es enthält viele kollagene Fasern. Die Fasern sind entweder parallel oder geflechtartig angeordnet. Parallelfasriges Bindegewebe kommt in Sehnen und Bändern vor. Geflechtartiges Bindegewebe kommt in den Augen, den Organkapseln, der Hirnhaut, dem Herzbeutel, dem Knorpel und der Knochenhaut vor.

3.2.1.6 Knorpelgewebe

Es besteht aus Chondrozyten und Grundsubstanz. Knorpelgewebe ist gefäßfrei und ist durch Diffusion ernährt. Die Ernährung erfolgt über die Knorpelhaut oder über die Gelenke aus. Es gibt drei verschiedene Knorpelarten:

Hyaliner Knorpel Elasticher Knorpel Faserknorpel

Der hyaline Knorpel ist die häufigste Knorpelart. Er besteht aus elastichen und kollagenen Fasern. Diese geben Festigkeit und Elastizität. Der hyaline Knorpel ist Teil von den Rippen und Kehlkopf, und kommt an den Gelenkenden und in der Nasenscheidewand vor.

Der elastische Knorpel besteht aus elastischen Fasern mit einem Anteil kollagener Fasern. Nach Verbiegung kehrt er in seine ursprüngliche Form zurück. Der elastische Knorpel kommt in der Ohrmuschel, im Kehldeckel und in den kleinen Bronchien vor.

Der faser Knorpel enhält kollagene Fasern und hält eine grosse Druckbelastung aus. Er kommt in den Zwischenwirbelscheiben, der Schambeinfuge, und den Menisken vor.

3.2.1.7 Knochengewebe

Es besteht aus Osteozyten und Zwischenzellsubstanz (Grundsubstanz mit vielen Kalksalzen und kollagenen Fasern). Es gibt Osteozyten, Osteoblasten und Osteoklasten in den Knochenzellen. Osteoklasten bauen Knochensubstanz ab (klauten). Osteoblasten bilden Zwischensubstanz auf (bauen). Osteozyten sind nicht teilungsfähig aber dienen als Erhaltungsstoffwechsel (behüten). Osteozyten sind von Kalksalzen umgegeben.

Ein Knochen ist sehr stoffwechselaktiv und wird ständig erneuert. Eine Belastung ist wichtig für den Anreiz zur Erneuerung.

3.2.1.7.1 Röhrenknochen

Es gibt zwei Gelenkenden (Epiphysen) und ein Knochenschaft (Diaphyse). Die Epiphyse ist das verdickte Gelekende, mit hyalinem Knorpel.

Ein Knochen hat eine Rindenschicht und eine Markhöhle (Knochensubstanzfrei), die mit gelbem oder rotem Knochenmark gefüllt ist. In den Gelenkenden ist Spongiosa (lockeres Bälkchenwerk). Spongiosa spart Gewicht und gibt Festigkeit. Die Bälkchen haben bestimmte Druck- und Zugeigenschaften.

Im rotes Knochenmark findet die Blutbildung statt. Sie kommt bei Kindern und Erwachsenen vor. Gelbes Knochenmark ist verfettetes Knochenmark in dem kein Blut mehr hergestellt wird. Man findet es nur in den Diaphysen der R Röhrenknochen. Beim Erkrankungen kann gelbes in rotes Knochenmark umgewandelt werden.

Zwischen den Epi- und Diaphysen ist die Wachstumzone oder Epiphysenfuge wo das Längenwachstum des Knochens erfolgt. Hier sitzen teilungsaktive Knorpelzellen, die Kalzium einlagern, und zu Knochenzellen umwandeln, aber nur wenn die Zelle komplett von Kalziumsalzen umgeben ist.

Knochenmantel (Kompakta) ist von der Knochenhaut (Periost) umgeben. Das Periost ist für die Ernährung des Knochens zuständig. Das Dickenwachstum des Röhrenknochens erfolgt von hier aus. Hier ist dann eine dichte Rindenschicht aus Knochengewebe. Das Endost ist die Knocheninnenhaut, die die Markhöhle auskleidet. Hier sind Osteoklasten. Sie bauen alte Knochenzellen ab. An der Knochenhaut gibt es eine knochenbildende Schicht (da wo viele Osteblasten sind) und eine äußere Faserschicht (die die mechanische Festigkeit des Knochens verbessert). Die äußere Faserschicht erkennt man bei der Grünholzfraktur.

Knochenzellen sind von Kalksalzen umgegeben. Die Ernährung der Kompakta erfolgt durch Kanäle. Osteozyten bilden lange Zytoplasmaausstülpungen. Durch diese Ausstülpungen können Nährstoffe und Abbauprodukte in verbinden mit den Havers-Kanälen transportiert werden. Zwischen den Havers-Kanäle und Periost, sind die Volkmann Kanäle.

Ossifikation ist die Bildung von Knochengewebe. Es gibt die chondrale Ossifikation und die desmale Ossifikation.

Knorpelige Verknöcherung ist die chondrale Ossifikation. Zuerst wird Bindegewebe aufgebaut. Werden Kalksalze eingelagert. Die Bildung des Knorpelgewebes ist ein Nebeneffekt. Je mehr Kalksalze eingelagert werden, desto mehr erfolgt Verknöcherung. Bindegewebe -> Knorpel -> Knochengewebe.

Die Bindegewebigverknöcherung ist die desmale Ossifikation. Es gibt kein Zwischenschritt (Knorpelbildung). Es kann bei den Gesichtsknochen und beim Schlüsselbein vorkommen.

Beim Kallus handelt es sich um Knochensubstanz die an einer Bruchstelle neu gebildet wurde. Kallus ist bindegewebig, dann knorpelig und verknöchert schliesslich.

3.2.1.8 Stroma und Parenchym

Stroma ist eine gefässführende Schicht und ernährt, schützt und stütz das Parenchym.

3.3 Muskelgewebe

Die Muskelzelle kann sich gut zusammenziehen (kontrahieren). Bei der Muskelarbeit wird viel Wärme freigesetzt. Es spielt bei der Aufrechterhaltung der Körpertemperatur eine wichtige Rolle. Myoglobin ist der Sauerstoffspeicher der Muskelzelle. Es kann mehr Sauerstoff aufnehmen als Hämoglobin.

Muskelzellen haben Myofibrillen (Muskelfasern). Sie sind fädig gebildet und sind längsparallel ausgerichtet. Die fädigen Gebilde besteht aus dicken Myosinfilamenten und dünnen Aktinfilamenten. Aktin und Myosinfilamente sind für die Muskelverkürzung zuständig.

Es gibt zwei verschiedene Muskelgewebsarten: glattes und quergestreiftes Muskelgewebe.

3.3.1 Glattes Muskelgewebe

Glattes Muskelgewebe arbeitet unwillkürlich, langsam, rhythmisch und autonom. Man findet es in der Magenwand, den Darm, der Gallenblase, den Blutgefässen, dem Harnleiter, der Harnblase, der Gebärmutter und der Eileiter.

Autonom Steuerung bedeutet dass das glatte Muskelgewebe selbstständig Befehle gibt. Es beeinflüsst der Sympathikus (Stimulierung) und Parasympatikus (Erholung). Die Nervenzellen in der Magen- und Darmwand steuern die Befehle. Die Nervenfasern bringen elektrische Impulse (Befehle) zu den Muskelzellen.

Glatte Muskelzellen sind 0,1 mm lang, spindelförmig und haben einen ovalern Kern. Die Aktin- und Myosinfilamente sind nicht regelmässig eingeordnet und deswegen sieht man keine Querstreifen.

Das glatte Muskelgewebe ist sehr plastisch. Es kann über längere Zeit verkürzt oder gedehnt werden, ohne danach zu erschlaffen.

3.3.2 Quergestreiftes Muskelgewebe

Quergestreiftes Muskelgewebe arbeitet mit bewusstem Willen, schnell, ohne Rhythmus, und die Befehle zur Kontraktion kommen vom Zentralnervensystem.